Mi, 28. März 2018

19:45
Alter Postplatz 3
6370 Stans

Franz Meier: Der wahre Lebenslauf eines Verdingbuben

Szenische Lesung. Mit Otto Huber, Hans Hassler, Monika Müller u. a. Regie: Louis Naef
Alter Postplatz 3
6370 Stans

Im Verlauf der Recherche und dem Versuch, für dieses sowohl biographisch spannende wie auch sozial und politisch brisante Werk die entsprechenden Grundlagen zu schaffen, hat sich die Projektgruppe auf eine dem Theater nahe Form verständigt.
 
Eine szenische Lesung, welche die Verdingproblematik ganz aus dem persönlichen Erlebnis entwickelt und die je besonderen Ebenen der Beteiligten (Wort/Spiel/Musik/Bild) künstlerisch zusammenführt:
 
- das durch das Buch vorgegebene (Vor-)Lesen, das durch den Schauspieler Otto Huber immer auch zur szenischen und emotional bedingten körperlichen Darstellungskunst mutiert;
- die Musik, durch die Hans Hassler mit seinem Akkordeon nicht nur Stimmungen und Lieder (zusammen mit «s’Meiers Meitschi») interpretiert, sondern dabei auch die «innere Stimme» des erzählenden Verdingbuben zum Vorschein bringt;
- die Skizzen, Zeichnungen und projizierten Bilder, die von der bildenden Künstlerin Monika Müller im Verlauf des Probenprozesses gestaltet und in eine Art Topographie dokumentarischer wie historischer Hintergründe ins Heute übertragen wurden.
 
Der Erzählraum ist aber nicht irgendeine Bühne, sondern immer wieder ein anderer Ort, zu dem es uns hinzieht, weil er historische und assoziative Verbindungen zur Geschichte des Verdingbuben und dem heutigen Publikum räumlich zu verstärken sucht. Das Gasthaus einer seiner Töchter, «Die Kneipe» im Bruchquartier Luzern, oder ein früheres Knechte-Asyl in Hermolingen. Oder das Armenasyl im heutigen Agrarmuseum Burgrain. Und sogar das Literaturhaus der Zentralschweiz, weil wir finden, dass dieses kleine Büchlein des Verdingbuben Franz Meier zwar einen dokumentarisch-historischen Wert hat, aber auch authentische Literatur ist. Denn Franz Meier als Erzähler schreit auch mal seine Wut in die Welt hinaus, aber er findet immer auch wieder leisere, ja poetische Töne. Oder er stimmt ein altes Volkslied an. Die aktuelle Topographie der Unbehausten von heute vermischt sich so mit den historischen Themen von Fremdplatzierung, Gewalterfahrung, Stigmatisierung, Flucht und Traumatisierung.