Di, 13. Februar 2018

13:33
Neustadtstr. 29
6005 Luzern

LGG$B

«Swiss Witches». Einzelausstellung. Installation, Bilder, Fotografie u.v.m.
Neustadtstr. 29
6005 Luzern
DO-FR 15-19 Uhr, SA 14–17 Uhr

LGG$B ist ein Künstlerinnenkollektiv das 2014 von Giulia Essyad,
Loren Kagny, Sabrina Röthlisberger und Gaia Vicensini gegründet wurde.
Die vier Künstlerinnen verfolgen ihre je eigene künstlerische
Praxis und produzieren als Kollektiv installative Arbeiten kombiniert
mit Lesungen, Konzerten oder Publikationen. Auf der Suche nach neuen
Ausstellungsformaten und -kontexten thematisieren LGG$B genderspezifische,
feministische und gesellschaftskritische Fragestellungen, die
sie spielerisch und subversiv in ihre multimediale Arbeitsweise integrieren.
Gaia Vincensini wendet in ihrer künstlerischen Praxis hauptsächlich
Radierungstechniken an, sowohl traditionell auf Kupfer- oder Zinkdruckplatten,
wie auch moderne Lasercut-Verfahren. Darin verhandelt
sie mögliche Verbindungen zwischen künstlerischen und sozialen Praktiken
und reflektiert historische und gegenwärtige Rollenbilder von
Künstler*innen. Dem Kunsthandwerk nahe sind auch die Arbeiten von
Sabrina Röthlisberger, die möbelartige Objekte entwirft und für die
Ausstellung bei sic! Raum für Kunst an einem handgewobenen Teppich
arbeitet. Loren Kagny verarbeitet heidnische Erzählungen und modische
Stilelemente zu Textilen und Kleidungsstücken, die eine eigene Geschichte
erzählen. Giulia Essyad verwendet Sprache und die Stimme als
Werkstoff und arbeitet skulptural.
 
In den unterschiedlichen Praktiken, deren Vermischung und gegenseitigen
Bereicherung entsteht für die Ausstellung bei sic! Raum für Kunst
ein neuer Werkkomplex, der Themen wie weibliche Identität und Emanzipation,
kulturelle Symbole, sozioökonomische Existenzbedingungen
und Kollektivität thematisiert. Die vielschichtige Gesamtinstallation
steht darüber hinaus in Relation zu persönlichen Erfahrungen. So wählt
das Kollektiv die Herstory von LGG$B als Ausgangspunkt und verbindet
sie mit der Westschweizer Uhrenindustrie und der damit einhergehenden
Swissness.
Der Ausstellungstitel «Swiss Witch» ist ein Wortspiel mit dem Brand
für Schweizer Qualitätsuhren. Er dient als Metapher für Hexerei, einer
weiblich und übersinnlich konnotierten Kraft, die im Kontrast zu einer
unbestimmten Vorstellung eines minimalen und rationalen «Schweizer
Geistes» steht. Das Messen der Zeit ist für das Funktionieren einer kapitalistischen Gesellschaft zentral und reglementiert die Freiheit des Individuums gleichzeitig empfindlich. Die Zeit als universelles Thema, als Quelle existentieller und spiritueller Erkenntnisversuche
sowie die ökonomischen Bedingungen der Schweizer Uhrenindustrie dienen
als Ausgangslage der Auseinandersetzung.
Mit dem Begriff der Hexe greift das Kollektiv das gegenwärtige, feministische
Interesse an der Figur in der aktuellen Kunstproduktion auf.
Wird die Hexe im Märchen und in volkstümlichen Erzählungen gleichbedeutend
mit Magie, Sünde und Bösem assoziiert, brachten Hexenkulturen
auch alternative widerständige Wissensformen hervor. Seit den 1970er
Jahren steht die Hexe in soziologischen Diskursen für das Queere,
Andere, vom Mainstream Abweichende und wird als Ausgangspunkt für gesellschaftliche
Ausschlussmechanismen rezipiert. Diese Leseweise erfährt
vor dem Hintergrund von Popkultur, digitaler Technologien und
Wissensstrukturen sowie populistischer Vereinfachungsstrategien eine
zeitgenössische Aktualisierung.