Sa, 26. Januar 2019

15:55
Dorfstr. 27
6301 Zug

Lukas Hoffmann & Adrian Schiess

Doppelausstellung. Malerei, Fotografie
041 725 33 44
Dorfstr. 27
6301 Zug
DI–FR 12–18 Uhr, SA/SO 10–17 Uhr

Vergessen, verwahrlost. Kühl, menschenleer und unbeseelt: Wenn Lukas Hoffmann (*1981) durch Berlin radelt, dann sind es Randgebiete, die seinen Blick fangen. In Steinhausen im Kanton Zug aufgewachsen, hat es ihn nach seinem Studium in Paris nach Berlin geführt. Hier lebt er, hier findet er seine Sujets. Unterführungen, Hausecken, Baustellen. Hoffmann mag das Karge. Er behandelt das Nebensächliche mit derartiger Umsicht, dass Blickwinkel, Belichtung und Bildausschnitt den analogen Arbeiten eine grosse Präsenz und ästhetische Qualität geben und sie über sich hinauswachsen, bis sie den Betrachter an Malerei erinnern. Die Brachen und urbanen Randgebiete, abgestanden, provisorisch, übersehen, füllen seine Bilder mit Leben an.
Hat Hoffmann auf seinem Streifzug einen Ort gefunden, den er gerne mag, dann kehrt er zurück. Er arbeitet langsam, akribisch. Wetter, Jahreszeit, Lichteinfall: dem Zufall überlässt er nichts, er ist ein Konstrukteur.
Einer, der von Beginn weg analog gearbeitet hat, der seine Sache selbst macht, von der Dunkelkammer zur Vergrösserung und zur Rahmung. Ein Meister zudem der Techniken unterschiedlicher Kameras. Graustufen sind seine Klaviatur, er spielt sie bis seine Fotografien eine Flächigkeit oder Tiefe erhalten, wie er sie sich wünscht.
Die Besucher des Kunsthaus Zug konnten Hoffmann schon mehrfach in Gruppenausstellungen erleben. Im Frühjahr nun wird er seine fotografische Position in einer grossen Einzelausstellung darlegen und neue Arbeiten aus den letzten Jahren erstmals in der Schweiz zeigen. Neben urbanen Architekturen sind es erste Beispiele aus einem Experiment: Er fängt Passanten mit einer portablen, grossen Kamera ein.
In Zusammenarbeit mit dem Photoforum Pasquart und mit Le Point du Jour wird die Ausstellung auch in Biel und in Cherbourg-en-Cotentin, Frankreich, gezeigt. Dazu erscheint eine dreisprachige Publikation im Verlag Spector Books, Leipzig.
 
Zeitgleich zu den atmosphärisch eher kühlen Fotografien von Lukas Hoffmann zeigt das Kunsthaus Zug Farb-Malereien von Adrian Schiess (*1959 in Zürich) aus der eigenen Sammlung. Die Präsentation wird auch für den Künstler selbst ein Experiment sein – viele Werke werden erstmals gezeigt, manche in einer Art, wie Schiess dies bisher nicht getan hat.
Er wird sein Farbvokabular durchdeklinieren. Bei M wie Malerei oder wie maisgelb wird er innehalten, und mit ihm die Betrachter seiner grossen, lackierten Platte: Zwei auf drei Meter misst sie und lotet aus, was der junge Künstler in seinen Farbnotizen angelegt hat. Es waren die 1990er-Jahre in New York, als er Farbeindrücke zu sammeln begann.
426 Stück an der Zahl hat er über Monate hinweg zusammengetragen, kleine bemalte Kartonschnipsel oder Leinwände. Schiess wird diese Arbeit erstmals überhaupt präsentieren: Installativ auf Tischen, die er selbst konzipiert, performativ im Sinne seiner Tätigkeit im Atelier.
Die maisgelbe Tafel, die auf einem kleinen Farbmuster aus dieser Gruppe basiert, wirft maisgelbes Licht in den Raum zurück, maisgelb spiegelt sich in ihr die Welt, der museale Raum, seine Besucherinnen und Besucher. Je nach Blickwinkel des Betrachters, nach Lichtverhältnissen an unterschiedlichen Tageszeiten, verändern sie sich fortlaufend. An den Wänden hängen ‹Fetzen›, unregelmässig geformte bemalte Pappen. Farben und ihre Wirkung sind Schiess wichtig, nicht die virtuose Geste des Malens.
Es ist der Schenkung des Sammlers Christian Graber im Jahr 2015 zu verdanken, dass das Kunsthaus Zug eine grosse wichtige Werkgruppe besitzt. Graber ist seit Jahrzehnten mit Adrian Schiess befreundet. Ein intensiver Austausch, Atelierbesuche beim Künstler und Ankäufe reichen zurück in eine Zeit, bevor dieser in Galerien und Museen gefeiert wurde.