Mi, 18. September 2019

18:30
Luzernerstr. 15
6043 Adligenswil

Marlis Spielmann

Gespräch. Mit der Künstlerin & Heinz Stahlhut
041 370 19 19
Luzernerstr. 15
6043 Adligenswil
DO-FR 14-18.30 Uhr, SA 13-16 Uhr oder nach Vereinbarung

Scherenschnitt heisst nicht immer die Darstellung eines Alpaufzugs in schwarz-weiss: Denn diese anspruchsvolle Technik hat die Künstlerin Marlis Spielmann (1953* Buchs SG) perfektioniert, um sie in die Bildsprache und Inhalte der zeitgenössischen Kunst zu übertragen. Und das ist ihr mit Bravour gelungen.
Die Galerie z s u z s a’ s grunder perren in Adligenswil zeigt eine grossangelegte Show der schweizweit bekannten und preisgekrönten Künstlerin. Das Grundthema von Spielmann ist die Stellung der Frau in der Gesellschaft, ausgehend von der hiesigen Kultur, die sie aber auch in anderen Kulturen festmacht. Frauen werden hier in all ihren Abhängigkeiten abgebildet: sei es als Sexsklavinnen, voll verschleierte Gestalten, als Mütter von einer Vielzahl von Kindern. Was die Bilder trotz der ernsten Inhalte doch sehr lesbar und für den Betrachter zugänglich macht, ist die Umsetzung dieser Thematik. Die Frauen wirken trotz ihrer dargestellten Rollen verspielt, bewegt und strahlen eine Leichtigkeit aus, die ihr Schicksal so nicht spiegelt. Und genau dadurch wird Kunst zu dem, was sie idealerweise ist: Sie lädt zu einem Neudenken an, bringt kritische Denkanregungen an ohne zu verurteilen und den Betrachter mit einem visuellen Schreckerlebnis abzustrafen. Spielmanns Menschenfiguren tanzen immer Hand-in-Hand durch ihre Scherenschnitte. Es ist eine Verbundenheit zwischen den Frauengestalten zu spüren, sie tritt als einigende Kraft an den Tag. Die neuesten Scherenschnitte reflektieren ihre letztjährige Reise zu einer Gruppenausstellung im Chinesischen Kunming und Peking sowie die gegenwärtige Klimadiskussion und damit die Bedrohung unserer natürlichen Umwelt. Auch die Formate bis über zwei Metern Breite und Höhe sprengen den Rahmen des traditionellen Scherenschnitts. Spielmanns Werke lassen sich wie axialsymmetrische Bilderbücher lesen: der Betrachter geht auf eine konzentrierte Entdeckungsreise und taucht ins Universum der Künstlerin ein. Dieselbe Konzentration sowie eine Unmenge von Geduld und Kraft fordert das Anfertigen der Scherenschnitte von Spielmann. Und das spiegelt sich auch im konzentrierten Sehprozess der Betrachter: eine Einladung zu Denkneuordnungen, wie das Kunst so gut kann.