Mi, 14. Mai 2014

12:26 bis 19:19
Löwenplatz 11
6004 Luzern

Monumentales Rundbild: ein europäisches Kulturdenkmal

Geschichte mit Geschichten erleben: Museumsbesuch mit App (Tablets stellt das Museum zur Verfügung)
041 412 30 30
Löwenplatz 11
6004 Luzern
MO-SO 10-17 Uhr

Gegen Ende des 18. und im 19. Jahrhundert entwickelten sich neue Medien, die die Welt möglichst wirklichkeitsgetreu nachzubilden versuchen. Mit allen möglichen optischen und modernsten technischen Tricks wurde dem Publikum die Illusion vermittelt, selber dabei zu sein: Mitten im Schlachtgetümmel zusammen mit grossen Helden, als Augenzeuge bei der Kreuzigung Jesu, als mutiger Bergsteiger hoch oben auf dem stolzen Gipfel, als kreisender Vogel über der eindrücklichen Architektur der Stadt. Aus der allgemeinen Seh-Lust erwuchs eine eigentliche Seh-Sucht. Eidophusikon, Stereoptikon-Zyklorama, Zimmerpanorama-Kosmorama, Grosspanorama waren die Sensationen der Vorkinozeit. Sie bereicherten die Jahrmärkte oder waren – wie das Bourbaki Panorama von Luzern – als moderne Paläste der Freizeit und des Amüsements unübersehbar im öffentlichen Raum. Der irische Maler Robert Barker liess 1787 in London eine Erfindung patentieren, die kurz darauf unter dem Namen «Panorama» bekannt wurde. Seine Erfindung war ein naturalistisch gemaltes Rundbild. Dieses war derart gross, dass es die Betrachtenden rund umgab und sie so in die Darstellung miteinbezog. Ab den dreissiger Jahren des 19. Jahrhunderts wurden die Panoramabilder häufig mit einem sogenannten Faux-Terrain – einem dreidimensionalen Vorgelände mit Figuren und Requisiten – erweitert. Die Normgrösse eines Panorama-Gemäldes war rund 110 Meter auf 14 Meter. Beliebteste Bildthemen waren Städte und Landschaften, historische Schlachten zu Lande und auf dem Meer, sowie die Passion Christi. Aufkommen und Erfolg der Grosspanoramen stehen im Zusammenhang mit dem enormen Wachstum der Städte. Panoramen waren nur mit einer grossen Zahl von Besucherinnen und Besuchern wirtschaftlich zu betreiben. Von den alten Panoramagemälden des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sind weltweit nur 27 übrig geblieben. Heute erlebt die Medienform Panorama einen eigentlichen Boom. Rund um den Globus entstehen neue Panoramabilder in alter Tradition oder neu umgesetzt mit modernen Techniken. Als es noch kein Kino gab, besuchten die Menschen andere optische Sensationen. Das Panorama war eine davon. Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 wurde in Panorama-Gemälden häufig dargestellt. Ein belgisches Panorama-Unternehmen entdeckte den Übertritt der französischen Bourbaki-Armee in Les Verrières/NE als geeignetes Thema für ein Schweizer Panorama. Zusammen mit dem Genfer Unternehmer Henneberg engagierte man den Genfer Architekten Jacques Elysée Goss für den Bau der Panorama-Rotunde an einer grossen Ausstellung in Genf und den Genfer Kunstmaler Edouard Castres für das Rundgemälde Die ursprünglichen Masse des Bildes entsprachen denen eines in jener Zeit verbreiteten Normpanoramas, 14 bis 15 Meter in der Höhe und 112 Meter im Umfang. Beim Ein- und Erweiterungsbau einer Autogarage im Erdgeschoss des Panorama-Gebäudes wurde das Bild 1926 und 1949 am oberen Rand jeweils um gut zwei Meter – total also um mehr als 4 Meter – beschnitten. Die heutige Höhe beträgt knapp 10 Meter. Kanonengrollen aus der Ferne, wiehernde Pferde und anderes mehr bilden die Geräuschkulisse, die die Betrachterinnen und Betrachter fesselt. Eine Hörfolge, in der Pasteur Clerc seiner Tochter erzählt, wie er die Internierung der Bourbaki-Armee in jungen Jahren erlebt hat, rundet das akustische Erlebnis ab.