Sa, 19. Oktober 2019

17:00
Neustadtstr. 29
6005 Luzern

Studio Inkognito

«Über die Gretchenfrage des Kunstbetriebs ». Doppelausstellung. Mit Lena Kiss & Lena Lieselotte Schuster
Neustadtstr. 29
6005 Luzern
DO-FR 15-19 Uhr, SA 14–17 Uhr

Nun sag, wie hast du’s eigentlich mit dem Geld? Die Duo-Ausstellung Studio Inkognito thematisiert im sic! eines der letzten Tabus des Kunstbetriebs - nämlich die Frage nach Arbeits- und Lebensbedingungen einer Branche, die für viele ihre Akteur_innen prekär sind. Die Kuratorinnen Katharina Brandl & Daniela Brugger erhielten für die Ausstellung eine Carte Blanche von den sic!-Organisatorinnen und luden die Künstlerinnen Lena Kiss (DE, *1987 in Scherzingen) und Lena Lieselotte Schuster (DE/AT, *1981 in Bayreuth) ein, sich mit Witz und Pragmatismus mit dem Thema auseinander zu setzen.
 
Lena Kiss und Lena Lieselotte Schuster kommentieren in ihrer künstlerischen Arbeit mit Selbstironie und einem schmunzelnden Lächeln das Kunstfeld und agieren oftmals unbemerkt als Agentinnen im Auftrag der Kunst. Bei beiden Künstlerinnen wird der Brotjob zur Produktionsstätte, das Büro wird zum Studio: Lena Kiss reflektiert in ihren Zeichnungen und Objekten beispielsweise ihre Tätigkeit als Verkäuferin in einem großen Künstlerbedarf in Berlin und zeigt, was Künstlerinnen tatsächlich bedürfen - zeitliche und finanzielle Ressourcen. Lena Lieselotte Schuster arbeitete ebenso wiederholt mit den Räumen und dem Publikum des Kunstraum Niederoesterreich in Wien, wo sie seit 2014 beschäftigt ist und wo sie beispielsweise geheime Botschaften in Fotos von Ausstellungseröffnungen schummelte oder imaginierte, wie man sich heimlich von einer Performance davon schleicht. Diese in ihrer jeweiligen Art sehr unterschiedlichen Inkognito-Praxen unterstreichen, wie die Verstrickung von aktuellen Lebenssituationen gleichzeitig zu Produktionsort und Inspirationsquelle werden. Lena Kiss und Lena Lieselotte Schuster arbeiten für die Ausstellung erstmalig zusammen.
 
“Die Rolle, die Lena Lieselotte Schuster und Lena Kiss einnehmen, ist eine der aktiven Beobachterin, die ihre eigene Verwobenheit in Wertschöpfungslogik des Kunstbetriebs nicht ignoriert, sondern anerkennt und verwertet”, so die Kuratorinnen, “Was Lena Kiss und Lena Lieselotte Schuster zusammenführt ist ihre witzige und gleichzeitig ernste Fokussierung von Arbeits- und Lebensbedingungen im Kunstbetrieb. Beide vereint, dass es für sie kein ‘Außen’ gesellschaftlicher Zusammenhänge gibt: der Alltag ist Ort der Kunstproduktion.”
Im Zuge der Ausstellung findet auch die Veranstaltung Survival of the fittest mit Anna Chudozilov (Redaktionsleiterin “041 - Das Kulturmagazin”), Brigitte Dätwyler (Künstlerin), Damian Christinger (Kurator & Kulturarbeiter) und weiteren Gästen statt. Im Zuge der Veranstaltung spielen die Besucher_innen, moderiert von den beiden Kuratorinnen, ein “Spiel des Lebens”, in dem erwerbsbiographische Knackpunkte von Kulturarbeiter_innen ohne Lamento thematisiert und kreative Überlebensstrategien diskutiert werden.